Bei dieser Gelegenheit wurde jedes Mal ein Stargast verpflichtet: unter anderem Heino (1971), Howard Carpendale (1978), Mike Krüger (1981), Dschingis Kahn (1985), Roberto Blanco und die Goombay Dance Band (1989). Tony Marshall (1979, 1983) und Cindy & Bert (1974, 1980) wurden sogar mehrmals verpflichtet. 1971 gelang Sven Olsen mit seinem Lied „Komm mal mit zum Dattelner Kanal“ nicht nur beim Unterhaltungsabend, sondern auch im Rundfunk ein Hit.
Eine Premiere besonderer Art war beim ersten Kanalfestival der Gottesdienst am Sonntag. Von seinem Standort in Duisburg war ein schwimmendes Gotteshaus nach Datteln gefahren, so dass zum ersten Mal in der Geschichte der deutschen Binnenschifffahrt ein ökumenischer Gottesdienst abgehalten werden konnte. Auch diese Veranstaltung etablierte sich als regelmäßiger Programmpunkt.
Zwischen 150.000 und 200.000 Besucher
Über 50.000 Besucher waren nach Schätzungen der Veranstalter beim ersten Kanalfestival dabei. Und weil das Fest auf so große Resonanz stieß, wurde es bis 1989 bis auf eine Ausnahme jährlich am ersten Wochenende im September durchgeführt. In den Anfangsjahren kletterten die Besucherzahlen sprunghaft in die Höhe (1970: über 80.000; 1971: über 150.000), um sich schließlich zwischen 150.000 und 200.000 Besuchern einzupendeln. Eine genauere Angabe ist nicht möglich, da nicht bei allen Programmpunkten ein Eintrittsgeld erhoben wurde. Ab Mitte der 80er Jahre kamen etwas weniger Zuschauer, was darauf zurückzuführen ist, dass in vielen Städten der Umgebung ähnliche Volksfeste veranstaltet wurden.
Zum erstmals 1970 durchgeführten Unterhaltungsabend kamen 1971 die Modenschau und das Kinderfest hinzu. 1976 wurde in Anlehnung an eine populäre Fernsehunterhaltungssendung ein „Spiel ohne Grenzen“ auf dem Wasser durchgeführt: mit acht Wassersport treibenden Vereinen unter der Leitung des TV Datteln 09.
Beim zehnten Kanalfestival im Jahr 1978 wurde erstmals eine Flutlichtregatta durchgeführt. 1988 veranstaltete der der Ruderverein Datteln von 1928 e. V. anlässlich seines 60-jährigen Vereinsbestehens einen Achter-Vergleichskampf. 1986 wurde erstmals ein Trödel- und Kunsthandwerkermarkt durchgeführt, bei dem die verschiedensten Antiquitäten, Kuriositäten und Raritäten zu bewundern und zu erwerben waren.
Streichelzoo und Ponyreiten
Auch für Kinder und Jugendliche wurde das Programmangebot ausgeweitet. Ab 1982 gab es viele Gelegenheiten für Spiel und Spaß im Kinderhort und auf dem Abenteuerspielplatz der Marinekameradschaft beim Heimboot „Krebs“. Später kamen noch ein Streichelzoo und Ponyreiten dazu. Ab 1986 waren auch Puppen- und Marionettentheater mit einem speziellen Kinderprogramm beim Kanalfestival dabei. Auch „Datteline“, das Spielmobil des Jugendamtes, war regelmäßig im Einsatz.
Beat-Partys und Live-Konzerte für die Jugend
Für die Jugendlichen wurden vor allem Musikveranstaltungen angeboten. Anfangs waren das Beat-Partys, die auf der Santa Monika stattfanden, wo Discjockeys alte und neue Hits auflegten. Ab 1983 fanden regelmäßig Live-Konzerte von Bands aus Datteln oder der näheren Umgebung auf dem Jahnplatz statt.
Die Ausweitung des Programms führte dazu, dass mehr Platz benötigt wurde. Bis 1975 spielte sich das Geschehen praktisch nur auf der Westseite des Dortmund-Ems-Kanals im Bereich des Dattelner Meers ab. 1969 stand das Festzelt noch auf dem Gelände der früheren Badeanstalt, bis 1972 an der Ecke Hafenstraße/Höttingstraße und ab 1973 an der Ecke Hafenstraße/An der Losheide.
Schließlich wurde an der Markfelder Straße ein ehemaliges Wiesengelände zu einem vielseitig nutzbaren Veranstaltungsgelände eingerichtet, auf dem ab 1976 Festzelt und Festival-Kirmes einen neuen Standort erhielten. Damit verlagerte sich das Festival aber auch gleichgewichtig auf beide Seiten des Dortmund-Ems-Kanals.
Das 20. Kanalfestival wurde 1989 durchgeführt. In diesem Jahr fanden rund 50 verschiedene Veranstaltungen statt, während es bei der Premiere gerade mal 30 Programmpunkte gewesen waren. Die hohen Besucherzahlen – 1989 waren es schätzungsweise 175.000 – zeigen, dass sich das Kanalfestival etabliert hatte.
Festival aufgrund der Fehlbeträge umstritten
Bei der 21. Auflage im Jahr 1990 waren Stargäste wie Klaus & Klaus oder De Höhner beim traditionellen Unterhaltungsabend im Festzelt dabei. Die Hochseiltruppe Geschwister Weisheit sorgte mit einem großen Hochseil über dem Dortmund-Ems-Kanal für artistische Höhepunkte. Auch die Rock-Pop-Live-Veranstaltung mit der heimischen Band Panheads und dem niederländischen Herman Brood and his Wild Romance sorgte für ein hochklassiges Festival-Programm. Dennoch war das Festival angesichts der immer höheren Fehlbeträge nicht unumstritten: Gestaltete sich doch die Haushaltssituation der Stadt von Jahr zu Jahr schwieriger.
Mit ersten Änderungen in der Programmstruktur wartete das Kanalfestival 1991 auf. Erstmalig gab es neben einem Seniorennachmittag im Festzelt und einem bunten Kinderland auf der Grünfläche neben der Brückenzufahrt an der Hafenstraße eine Open-Air-Bühne, die an allen Veranstaltungstagen Musik von Folkrock bis zu brasilianischer Musik darbot.
Festival zeigt sich 1992 in neuer Aufmachung
„Neues Kanalfestival wird zu einem tollen Erfolg“, „Kleinkunst macht neues Kanalfestival groß“ oder „Kanalfestival macht Furore“ waren nur einige Schlagzeilen des Festivals, das sich 1992 in einem völlig neuen Gewand zeigte. Vom Stadtrat beschlossen präsentierte die Stadtverwaltung eine Veranstaltung, die die zeitgemäße Umwandlung in ein Kulturfest modernster Prägung überzeugend darstellte.
Dabei gab es radikale Einschnitte: kein Festzelt und keine kirmestypischen Anbieter mehr. Stattdessen präsentierten Kunsthandwerker und historische Handwerker ihre Künste. Ein neuer Schwerpunkt waren die Außenbühnen mit den verschiedensten Musik- und Straßentheatervorführungen. Vom „alten“ Festival waren tragende Programm-Punkte wie zum Beispiel der Lampionkorso, das Hafenkonzert oder die Rockveranstaltung unter freiem Himmel übernommen worden.
Bereits im ersten Jahr wurde das „neue“ Kanalfestival von den Besuchern gut angenommen. Die angenehme und niveauvolle Atmosphäre wurde noch verstärkt durch den neu gestalteten Weg an der früheren Kiesfläche am Dortmund-Ems-Kanal, der im Rahmen der Festival-Eröffnung als neue Uferpromenade freigegeben wurde.
Button kann das Festival nicht retten
Einen weiteren Schritt nach vorne bedeutete das Festival im Jahr 1993, das mit seinem hohen künstlerischen Niveau bestach. Künstler wie die A-cappella-Gruppe 6-Zylinder trugen zu einem hervorragenden und anspruchsvollen Fest bei und bestätigten erneut, dass die neue Konzeption richtig war. Erstmalig wurde ein Festival-Button verkauft, mit dem die Besucher Zutritt zu allen Programmpunkten erhielten. Allerdings führten der weiterhin hohe Zuschussbedarf und die sich verschärfenden Haushaltsbedingungen der Stadt Datteln zu einer Beschränkung des Festival-Zuschusses auf 25.000 DM. Da mit diesem Budget kein attraktives Fest mehr zu veranstalten war, beschlossen Vereine und Stadt nach langen Diskussionen am 28. Februar 1994, das Kanalfestival einzustellen.
Auf Initiative einiger Vereine und eines Unternehmers gründete sich am 16. März 1994 die Interessengemeinschaft Kanalfestival, die sich mit ihrem Vorsitzenden Ludger Grundmann mit Unterstützung der Stadt für die Finanzierung des Veranstaltungsprogramms einsetzte. Die Stadt Datteln übernahm auch weiterhin die Organisation der Rahmenbedingungen.